Bürli AG

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Die Botschaft

Die Botschaft unter dem Arm

Dieses Haus im Goldgässli ist über 750 Jahre alt

Eric Häfeli hat über seine Firma Häfeli Immobilien AG im Sommer 2017 eine Liegenschaft im Goldgässli erworben. Welchen historischen Schatz er damit an Land zog, war damals noch nicht zu erahnen.

KLINGNAU (tf) - Wer in den hintersten Raum tritt, kann sie nicht übersehen, die mit Ährenmustern gemauerte Hauswand im Erdgeschoss. Experten nennen das Muster auch Fischgrätenmuster, und man sieht es heutzutage nur noch sehr selten. Das Muster geht zurück auf die antike Mauerbau-Technik «Opus Spicatum» und ist beispielsweise noch in der Stadtmauer von Fulda, im Kastell Irgenhausen oder in der Pfarrkirche von St. André-de-Sorède zu finden. Und neuerdings auch in Klingnau, im sogenannten Höchli-Haus im Goldgässli.
   Als der neue Besitzer des Hauses, Eric Häfeli, vor ein paar Monaten in besagten Raum trat, wusste er sofort, dass es sich bei dieser Mauer um etwas nicht Alltägliches handelte. Und es dauerte nicht lange, da war in der Tat die kantonale Denkmalpflege in der Person Heiko Doblers auf Platz. Zwar steht das Höchli-Haus am Goldgässli 4 «nur» unter kommunalem Schutz, trotzdem sollte es nach der bemerkenswerten Entdeckung bis ins letzte Detail untersucht werden. Diese Aufgabe kam in der Folge der Kantonsarchäologie Aargau zu, die zwischen dem 28. und 31. August 2017 eine dreitägige Bauaufnahme durchführte. Jeder einzelne Stein, jeder Balken im Haus, jeder Mörtel wurde mit Handskizze aufgenommen und anschliessend, wo es vielversprechend schien, weiter untersucht.
   Seit Ende Oktober nun liegt der dazugehörige Bericht vor, eine Zusammenfassung davon wurde in diesen Tagen, zusammen mit einem Bauphasenplan öffentlich aufgeschaltet auf der Homepage der Gemeinde Klingnau.

Das älteste Haus

Die Ergebnisse der Analysen sind verblüffend. Wie sich zeigte, war die mit Ährenmuster gemauerte Hauswand nur die Spitze des Eisbergs. Die Spezialisten des Kantons haben am geschichtsträchtigen Gebäude inzwischen unzählige Epochen nachweisen können, Epochen, die viel weiter zurückreichen als bisher angenommen. Das Bild, das man sich bislang zur Entstehungszeit des Gebäudes gemacht hatte, nämlich dass es um 1800 entstanden sei, musste massiv korrigiert werden.
   So scheint heute gesichert, dass der Kernbau des Höchli-Hauses bereits im 13. Jahrhundert entstanden ist. Die älteste Mauer im Erdgeschoss stammt von 1266, könnte sogar noch etwas älter sein. Weitere Mauern, darunter jene im Ährenmuster gemauerte, könnten ebenfalls aus dieser Zeit stammen respektive sind bald danach entstanden. Was das bedeutet? Nichts weniger, als dass ein Teil des Hauses, das bezeichnenderweise ausserhalb der Stadt steht und damals direkt an der Aare lag, nur wenige Jahre nach der eigentlichen Stadtgründung Klingnaus erbaut worden sein muss. Und somit ab sofort als das älteste, im Original erhaltene Haus Klingnaus bezeichnet werden darf. Warum das so sicher ist? Die Kantonsarchäologie konnte an den im Haus befindlichen Balken sogenannte dendrochronologische Untersuchungen durchführen und mehrere der Balken auf das Fälljahr 1266 datieren. Auch dass die Balken bereits zu diesem Zeitpunkt in die Hauswand eingemauert worden sein müssen, konnte nachgewiesen werden. Ein bis heute erhaltener Bretterboden lässt zudem vermuten, dass das Gebäude bereits in der allerersten Phase ein hölzernes Obergeschoss, einen sogenannten Holzgaden, hatte.
   Die Untersuchungen des mittlerweile grösstenteils ausgehöhlten Hauses haben weiter gezeigt, dass in den Folgejahrhunderten immer wieder um- und ausgebaut wurde. Ein erster Umbau erfolgte vielleicht bereits in den 1320er-Jahren, ein nächster dann vermutlich nach 1389/90, eine weitere Sanierung folgte sicher um 1600. Die nächsten umfassenden Renovationsarbeiten können dann wieder im 19. Jahrhundert ausgemacht werden. Die Kantonsarchäologie kommt ausserdem zum Schluss, dass die Versteinerung und Aufhöhung des Gebäudes um ein zweites Obergeschoss etappenweise erfolgt ist, um 1600 jedoch bereits bestand.



Die ausführlichen Berichte finden Sie in der aktuellen Ausgabe 136

 



Aktuell in der Botschaft

22.11.2017

Obergericht spricht Radrennfahrer frei

Das Aargauer Obergericht hat einen 53-jährigen Schweizer, der an den Radsporttagen Gippingen 2014 einen tödlichen Unfall verursachte, von Schuld und Strafe freigesprochen.

Und immer wieder: die Knacknuss Zurzach

Die «Gespräche mit der Bevölkerung» zur Frage einer allfälligen Fusion im «Rheintal+»-Raum sind seit Monaten in vollem Gang. Am Dienstagabend diskutierte die Bevölkerung der kleinsten der zehn Gemeinden, Böbikon.

Lesung der besonderen Art

Sofalesungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. In Lengnau hat Autorin Julia Weber eine Kostprobe ihres Werks «Immer ist alles schön» geboten.